Jürgen Rüttgers in Lohmar
Geschrieben von Uli Gelsen am 9. November 2009 | Abgelegt unter Aktuelles
Die erste Station seiner Zuhör-Tour führte Jürgen Rüttgers nach Lohmar im Rhein-Sieg-Kreis. Das beschauliche Städtchen mit etwas mehr als 30.000 Einwohnern gilt als besonders familienfreundlich. So sind unter den mehr als 200 Zuhörern an dem Abend auch besonders viele junge Menschen versammelt.
Das Veranstaltungskonzept ist neu und für die deutsche Politik noch ungewöhnlich: Ein runder Teppich in der Mitte, auf dem Jürgen Rüttgers steht und um ihn herum in einem Rund 200 Menschen, die den Ministerpräsidenten an diesem Abend hautnah erleben.
Jürgen Rüttgers pur eben. Die Veranstaltung beginnt mit ein paar einführenden Worten von Rüttgers. Er hält aber keinen Vortrag, keine Rede, kein Referat. Er erzählt den mehr als 200 anwesenden Bürgerinnen und Bürger von seinen letzten Stunden.
Opel hat diese dominiert. Er erzählt, wie er einen Tag zuvor in Bochum war und mit den Betroffenen gesprochen hat. Und er berichtet von seinem Treffen in Berlin mit der Bundesregierung und den Ministerpräsidenten der anderen Opelstandorte in Deutschland.
Bei dem Verhalten von General Motors kann man „richtig Wut im Bauch kriegen“ sagt Rüttgers mit fester Stimme. Opel ist ein emotionales Thema – für die Menschen vor Ort, aber auch für einen Menschen, einen Politiker, der sich als Ministerpräsident um die Menschen in unserem Land kümmert.
Jürgen Rüttgers meint es ernst: Keine fünf Minuten berichtet er von Opel und lässt danach die Menschen zu Wort kommen. Sie sind in die Mehrzweckhalle nach Lohmar gekommen, weil ihnen jemand zuhört. Weil sie ihren Ministerpräsidenten ihre persönlichen Anliegen schildern wollen.
Gesundheitspolitik, kommunale Finanzen, Fluglärm des Köln-Bonner Flughafens – schon die erste drei Themen, die angesprochen werden, sind komplex und nicht wirklich bequem für einen Politiker.
Gesundheit geht uns alle an und es darf keine Zwei-Klassen-Medizin geben, aber die Wahrheit ist eben auch: Die Kosten im Gesundheitswesen explodieren.
Die Finanzlage der Kommunen ist dramatisch, gemeinsam muss man nach Lösungen suchen – Bund, Länder und Kommunen. Es ist wichtig, dass alle zu Wort kommen und dass Bund und Länder die Anliegen der Kommunen ernst nehmen. So wie die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen die Kommunalpolitiker ernst nimmt und ihnen unbürokratisch die Verteilung der Mittel aus dem Konjunkturpaket ermöglicht. Es zeigt: Jürgen Rüttgers und seine Regierung vertrauen den Menschen vor Ort, denn sie wissen besser, wo die Mittel hinfließen sollen.
Der Flughafen Köln-Bonn ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Nachtflüge braucht der Flughafen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Flugrouten sind nicht optimal, schildert ein Bürger. Jürgen Rüttgers stimmt zu und verspricht ihm, den entsprechenden Kontakt herzustellen, damit sich da etwas tut.
Agrardiesel, Abtreibung, Kündigungsschutz… die Menschen bewegt viel in diesen Tagen. Jürgen Rüttgers nimmt sich die Zeit, hört zu und antwortet.
Die Arbeitswelt ist ein Thema, was viele Menschen in Lohmar bewegt. Einer berichtet davon, dass Mobbing immer mehr auf dem Vormarsch ist und die Menschen physisch kaputt gemacht werden. Ein anderer sorgt sich darum, dass unsere Arbeitswelt immer mehr auseinanderfällt und sich verändert.
„Wir müssen alle mitnehmen“ entgegnet ihnen Jürgen Rüttgers, ob in der Arbeitswelt oder in der Gesellschaft. Wir dürfen eben nicht auseinanderfallen, sondern müssen Werte hochhalten. Denn die Krise, in die wir geraten sind, ist vor allem eine „moralische Krise“. Dem müssen wir begegnen, als Gesellschaft, als Menschen.
Manche Fragen kann Rüttgers sogar mit wenigen Worten beantworten. Auf die Frage nach der Einführung einer PKW-Maut sagt er nur: „Klares nein!“. Die Bürgerinnen und Bürger applaudieren.
Nach mehr als 100 Minuten Dialog bedankt sich Rüttgers und lädt die Menschen ein, im Foyer der Halle weiter mit ihm zu diskutieren. Auch hier nimmt er sich Zeit. Geht von Tisch zu Tisch und spricht mit den Leuten weiter. Jürgen Rüttgers pur eben.
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